Erlebnis Deccan Odyssey

Eine Woche mit dem Luxuszug in Indien

Ich hätte es wissen müssen. Jetzt haben sie mich doch erwischt. Die schwarzglänzende Schokoladentorte vor mir und das unvermeidliche „Happy Birthday“ von allen Seiten. 8. Dezember 2018, mein 71. Geburtstag, Geburtstagsrituale sind mir egal. Wozu muss man mir gratulieren? Ich kann doch nichts dafür. Klar, unsere Passkopien haben mich verraten. Aber ich bin nicht der einzige, den es heute erwischt hat. Michel, der gebürtige Belgier, der in Brasilien mehrere Gourmet- und Foodmagazine herausgibt, muss auch eine Torte anschneiden. Er ist 75 geworden und damit längst nicht der älteste unter den knapp 50 Passagieren, die mit uns auf dem „Deccan Odyssey“ unterwegs waren. Dafür aber der unbeweglichste. Denn trotz einer Magenverkleinerung bringt er sein beachtliches Restgewicht nur mit Hilfe eines Gehstocks voran. Seine Frau, wahrscheinlich nicht einmal halb so alt wie er, macht die meisten Ausflüge ohne ihn. Die heftig erblondete Brasilianerin, ist von Beruf Sommelier und dokumentiert ihre Alleingänge mit endlosen Selfie Serien.

Die meisten der Mitreisenden haben wir erst am Vorabend kennengelernt. Bei der Abschiedsparty, zu der man uns in traditionelle indische Gewänder gesteckt hatte und uns zu Bollywood-Musik lokale Drinks spendiert hatte. Was als Eisbrecher-Party zu Beginn der Tour sinniger gewesen wäre, bot so die letzte Gelegenheit, wenigsten etwas über die Gesellschaft zu erfahren, mit der wir eine Woche unterwegs waren. Allenfalls mit einer Pariserin, einem älteren Paar aus Florida und Neil, dem australischen Botschafter im Ruhestand, sowie einer indischen Journalistin hatten wir während der Reise gelegentlich ein ausführlicheres Gespräch. Ein Großteil der Reisenden waren sogenannte NRIs – Non Resident Indians – im Ausland lebende Inder, in diesem Fall fast durchweg in Florida operierend Franchise-Unternehmen von McDonalds. Viele von diesen wiederum bildeten die Equipage eines Brautpaars auf Hochzeitsreise. Die Zeit zwischen den Mahlzeiten und Ausflügen verbrachte sie meist unter sich mit Kartenspielen. Auch vier Singapur-Chinesen – drei Ärzte und eine ehemalige TV-Programmdirektorin, tauten erst am letzten Abend auf. Ein belgisches Paar und ein Ehepaar aus der Schweiz hatten jeweils eigene Reiseleiter für die Ausflüge gebucht, so dass es auch mit ihnen wenig Berührungspunkte gab. Die Schweizer waren sowieso nicht zu verstehen und die meisten Franzosen sprachen kaum englisch, was einen Winzer aus St. Emilion nie daran hinderte, lustig drauflos zu schwadronieren. Wenn wir ihn verstanden hätten, wäre er bestimmt ein spaßiger Reisegefährte gewesen.

Wir sind die einzigen Deutschen an Bord und das auch nur durch Zufall. Ich habe diese Reise vor fast zwei Jahren bei einer Abendveranstaltung der indischen Botschaft gewonnen. Weil ich seinerzeit noch Geschäftsführer von COMTOUR war und argwöhnte, dass es bei der Auslosung nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte, wollte ich den Preis nicht annehmen. Auf Drängen von Konstanze sagte ich schließlich zu, die Reise nach meiner Verrentung anzutreten.

Dazu ist es nicht mehr gekommen. Exakt zwei Monaten nach meinem Ausscheiden bei COMTOUR ist Konstanze gestorben. Meine Geschwister überredeten mich, die Reise wie noch mit Konstanze geplant, stattdessen mit meinem Sohn Dominique im Februar zu unternehmen. Aber auch dazu ist es zunächst nicht gekommen. Fünf Tage vor dem geplanten Termin musste Dominique ins Krankenhaus und wir konnten die Planungen erst Monate später wieder aufnehmen.

Jewels of the Deccan

Nun also doch! Der Deccan Odyssey fährt auf verschiedenen Routen. Wir wählten das Programm „Jewels of the Deccan“, vor allem, weil uns der Start-Termin 1. Dezember am besten in den Kram passte. Mir waren außer dem ersten Tagesziel Bijaypur alle anderen Stationen von früheren Reisen bekannt, für Dominique war nur Hyderabad nicht neu. Aber es ging uns auch mehr um die Erfahrung „Luxuszug“, die Besichtigungen an den einzelnen Stationen sollten angenehmes Beiwerk sein. Tatsächlich habe ich zwar schon ungezählte Zugreisen in Indien hinter mich gebracht und immer viel Spaß dabei gehabt, Luxuszüge kenne ich aber nur aus dem Fernsehen.

Kanone
Kanone

1. Tag:

Treff- und Startpunkt war am Nachmittag des 1. Dezember an Gleis 18 des Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus, uns Ausländern eher unter dem einstigen Namen Victoria Terminus oder abgekürzt V.T. bekannt. Es dauerte eine Weile, bis wir das Gleis auf der Rückseite des neugotischen Prachtbaus fanden, aber dann brachte uns unüberhörbares Tamtam auf die richtige Spur. Trommler und eine bunte Tanzgruppe begrüßten die einzelnen Reisenden. Softdrinks wurden verteilt und nach gut einer Stunden tuckerte der Zug endlich ein. Wie wir es von der Deutschen Bahn fast gewohnt sind, war auch hier die Wagenfolge umgekehrt und so hatten wir die Chance, fast die ganze Länge des Zugs abzuschreiten. Neben den Schlafwagen mit jeweils drei bis vier Abteilen, gibt es zwei Speisewagen, eine Bar, einen Clubwagen mit Bibliothek und einen Küchenwagen. In einem weitern Wagen sind zwei Massageliegen, Friseur, Schönheitssalon und Fitnessstudio untergebracht.

Trommler und eine bunte Tanzgruppe begrüßten die einzelnen Reisenden
Trommler und eine bunte Tanzgruppe begrüßten die einzelnen Reisenden

Die Kabinen im Schlafwagen sind auf kleinstem Raum luxuriös ausgestattet, Dusche, WC, Safe, Stauraum für Kleider und Koffer, zwei Betten, auf den sich auch Dominique mit sein fast zwei Metern Länge einigermaßen bequem austrecken kann. Der Buttler Krishna bemüht sich, uns jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Auf die Dauer wird uns seine Fürsorge fast etwas penetrant.

Bei allem Komfort, die die Kabine bereit hält, wird uns sofort klar. Hierher werden wir uns nur zum Schlafen zurückziehen, denn allenfalls eine Person kann vom Bett aus die Landschaft draußen sehen. Aber auch nur im Liegen.

Als der Zug endlich anfährt, ist draußen bereits dunkel. Wir testen die Bar und stellen fest, dass die Preise ziemlich gesalzen sind. Wir werden uns einen Besuch hier nicht allzu oft leisten können. Auch ein Bier oder einen Wein zum Essen wird nur gelegentlich drin sein. Die indischen Weine an Bord sind zwar durchweg besser und zudem deutliche preiswerter als die Importware, würden aber unser Budget für die nächsten sieben Wochen auch ziemlich strapazieren.

Die Küche leistet Erstaunliches auf hohem Niveau. Es gibt die Wahl zwischen internationalen und indischen Spezialitäten. Wir entscheiden uns fast immer für die indische Variante und fahren dabei immer richtig, wenngleich uns im Verlauf der Reise auffällt, dass es wenig Abwechslung gibt und die indischen Rezepte zum Teil westlichen Geschmack angepasst sind.

2. Tag: Bijapur.

Die erste Nacht im Zug schlafen wir einigermaßen gut. Das Ruckeln über die Schienen stört nur selten. Unser erster Stopp ist in Bagalkot. Von hier aus geht es per Bus zu den Sehenswürdigkeiten von Bijapur: Gol Gumbaz, ein muslimisches Grabmal aus dem 17. Jahrhundert, mit der weltweit zweitgrößten, freitragenden Kuppel – nach dem Petersdom in Rom. Die Freitagsmoschee von Bijapur ist eines der ältesten islamischen Gotteshäuser in Indien aus einer Zeit, als Bijapur eine der floriendsten Städte des Landes war – wichtiger als seinerzeit Delhi und Agra. In den Mauern des alten Forts kann man die größte Kanone der Welt aus dem Mittelalter bestaunen.

Gol Gumbaz, ein muslimisches Grabmal aus dem 17. Jahrhundert
Gol Gumbaz, ein muslimisches Grabmal aus dem 17. Jahrhundert

Zum Mittagessen geht es zurück zum Zug. Zum ersten Mal wundern wir uns, wieviel Zeit für die Busfahrten zwischen den Bahnhöfen und den Sehenswürdigkeiten draufgeht und dass keine Zeit bleibt, den Alltag an den einzelnen Stationen zu erleben. Am Essen im Zug gibt es zwar nichts zu beanstanden, insgeheim hätten wir aber doch lieber authentische Spezialitäten in einem lokalen Restaurant probiert.

Der Zug parkt auf einem Abstellgleis. Von hier aus sind Ausflüge auf eigene Faust kaum möglich, zumal wir nicht wissen, wann es wieder weitergehen soll. So widmen wir uns in der Bibliothek Schreibarbeiten, die wir wegen Umzugstress in den letzten Monaten arg vernachlässigt haben.

3. Tag: Aihole und Passatakal

Am Abend geht es weiter Richtung Aihole und Pattadakal, den Tageszielen des nächsten Reisetags. Wir haben die Fahrtdauer entsprechend der Entfernung auf etwa fünf Stunden geschätzt, in der Nacht aber gewinnen wir den Eindruck, dass der Zug mit kleinen Unterbrechungen und Richtungswechseln permanent unterwegs ist und uns zum Teil heftig durchrüttelt. Entsprechend gerädert finden wir uns zum Frühstück ein, zu dem wir uns mit einem älteren Paar aus Florida verabredet haben, das mit der indisch-amerikanischen Reisegruppe unterwegs ist. Die beiden haben in Florida 17 Mc Donalds-Restaurant betrieben und genießen jetzt den Ruhestand.

Pattadakal -  Hindu-Tempel der Chalukya-Dynastie
Pattadakal – Hindu-Tempel der Chalukya-Dynastie

Auch zu den Sehenswürdigkeiten von Aihole und Pattadakal ist wieder ein fast zweistündiger Bustransfer notwendig. Auf unsere Frage, ob wir auch die Höhlen von Badami sehen können, die ja nur wenige Kilometer entfernt sind, lässt man uns wissen, dass wir nach dem Mittagessen im Zug einen Extra-Ausflug buchen können, gegen einen Aufpreis von rund 160 Euro pro Person. Das schient uns überzogen und wenig sinnvoll. Wir buchen einen eigenen Fahrer mit Guide und unternehmen den Ausflug auf eigene Faust. Kosten 36 € pro Person und am Ende sind wir sogar noch rechtzeitig zu einem leicht verspäteten Mittagessen wieder am Zug.

Höhlentempel von Badami
Höhlentempel von Badami
Badami
Badami

Am Abend haben wir uns mit Vivedita, einer indischen Journalistin, und Madame Minelli, einer älteren Pariserin, die beide allein unterwegs sind, im Speisewagen verabredet. Vivedita kämpft gerade gegen den Redaktionsschluss für einen Artikel über spezielle Reiseangebot für indische Touristen in Interlaken in der Schweiz. Madame Minelli spricht anders als die anderen Franzosen im Zug sehr gut Englisch und wird deshalb von ihren Landsleuten gern als Übersetzerin genutzt. Ihre Tochter führt in Bombay seit vielen Jahren eine erfolgreiche Einrichtungs- und Modeboutique. Deshalb ist auch sie oft im Land. Erfahrungen und Anekdoten werden ausgetauscht und gemeinsam amüsieren wir uns über die musikalische Dinnerbegleitung, die auf wenige Takte reduzierte Minimalversion des Hauptmotivs der Titanic läuft ohne Unterbrechung in einer Dauerschleife. Bis zum Ende der Reise wird der Luxusliner wohl zum gefühlt hundertsten Mal abgesoffen sein. Raman, unser Speisewagenkeller, findet auf unsere Bitte nach Abwechslung nur zwei Alternativen: eine ziemlich holprig vorgetragene Klavieretüde, die während der Mittagessen abgespielt und eine Morgenraga auf der Flöte, die jeweils zum Frühstück erklingt.

4. Tag. Hampi

Elefant
Elefant
Sicht auf den Sri Virupaksha Temple in Hampi
Sicht auf den Sri Virupaksha Temple in Hampi
Ugra Narasimha Tempel in Hampi
Ugra Narasimha Tempel in Hampi

Der nächste Morgen, wir haben die Kleinstadt Hospet erreicht. Von hier aus sind es nur knapp 15 Kilometer zu den Ruinen von Hampi. Über 26 Quadratkilometer erstrecken sich die Ruinen des einstigen Königreichs von Viyanagar, das vom 14. – 16. Jahrhundert ganz Südindien beherrschte und dessen Hauptstadt seinerzeit mehr Einwohner hatte als Paris. Hampi ist heute die wohl wichtigste Weltkulturerbe-Stätte in Indien, bedeutsamer auch als das weltberühmte Taj Mahal in Agra. Eine einigermaßen ausführliche Erkundigung auch nur der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Ortes würde einen mindestens zweitägigen Aufenthalt erfordern.

Bei unserer Stippvisite bleibt nur Zeit für ganz wenige Highlights, zumal diese oft weit auseinander liegen. Zum Teil organisiert eine Frauen-Kooperative die Transfers mit Elektrobuggies. Die Tatsache, dass Hampi lange nur umständlich und unbequem zu erreichen war und es keine einigermaßen gute Unterkünfte gab, hat viele unserer Mitreisenden zum Buchen ausgerechnet dieses Programms motiviert. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, findet beim nächsten  Mal mit dem „Evolve back“-Resort der früheren Orange Country Gruppe ein Hotel, das auch den höchsten Ansprüchen gerecht wird. Es ist uns ein Rätsel, warum eine solche Adresse nicht wenigstens zum Mittagessen angesteuert wird. Stattdessen geht wieder viel für die Transfers von und zum Zug drauf.

5. Tag: Hyderabd

Wir haben Hyderabad, die Hauptstadt des neuen indischen Bundesstaats Telangana, erreicht. Der Zug „parkt“ auf einem Gleis des ziemlich schäbigen Faluknuma-Bahnhofs. Von hier geht es in fast einstündiger Fahrt zum Golkonda-Fort.

Golkonda - Festung in Hyderabad
Golkonda – Festung in Hyderabad

Von der mächtigen Festung aus kontrollierten die Sultane von Golkonda einst den Abbau von Gold und Diamanten bis sie im 17. Jahrhundert von einer Allianz nordindischer Moguln verdrängt wurden. Hyderabad ist bis heute stark muslimisch geprägt. Wir wollen unbedingt die pittoreske Altstadt, die wir vor ein paar Jahren schon einmal haben,  nochmal durchstreifen und bitten darum, uns unterwegs entsprechend abzusetzen.

Zuvor gilt es allerdings, den Besuch in einer Seidenweberei zu überstehen. Der zieht sich, es gibt wenig zu sehen, dafür kaufen einige Damen fleißig ein.

Das Charminar ist ein Torbau in der mittelindischen Stadt Hyderabad.
Das Charminar ist ein Torbau in der mittelindischen Stadt Hyderabad.

Endlich können wir unseren Alleingang starten und finden auch schnell das wahre Ziel dieser Eskapade: ein einfaches Lokal, in dem wir die authentische kulinarische Spezialität der Gegend genießen können: Biriyani, das stark gewürzte Reisgericht, für das Hyderabad weltberühmt ist. Wir kommen voll auf unsere Kosten, die sich dazu auf umgerechnet nicht einmal vier Euro für zwei Personen beschränken. Wir sind so satt, dass wir die vielen kleinen Leckereien kaum zu würdigen wissen, als wir uns am Nachmittag wieder zum High Tea unserer Reisegruppe anschließen. Diese typische Institution findet im Faluknuma-Palast statt, früher Gästehaus des Nizzams von Hyderabad, seinerzeit der reichste Mann der Welt. Heute ist der Palast der Luxushotel-Gruppe Taj.

Als unsere Busse später wieder am Bahnhof vorfahren, ist der Zug nicht da. Weil alle Bahnsteige für den normalen Bahnverkehr gebraucht werden, muss der Deccan Odyssee zwischendurch immer wieder umgeparkt oder sogar auf Nebenstrecken geschickt werden. Allmählich dämmert uns, warum der Zug auch nachts viel unterwegs ist, obwohl die zurückzulegenden Strecken gar nicht so weit sind.

6. Tag: Ellora

Die Ellora-Höhlen im Bundesstaat Maharastra
Die Ellora-Höhlen im Bundesstaat Maharastra

Aurangabad erreichen wir am nächsten Mittag. Von hier aus geht es zu den Höhlentempeln von Ellora. Sandeep, der lokale Reiseleiter stellt richtig: es handelt sich nicht um natürliche Höhlen. Die Tempel wurden über einen Zeitraum von Dekaden und Jahrhunderten von Menschenhand aus dem Basalt gehauen, ohne dass Zwangsarbeit damit verbunden gewesen wäre.

Wer die detailgenauen Skulpturen bewundert, die die Klöster aus dem 5. bis 11.  nachchristlichen Jahrhundert zieren, und sich vorstellt, dass alles von oben nach unten in den Fels gehauen wurde, versteht, warum Ellora zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

7. Tag: Ajanta

Das gilt auch für Ajanta, dessen Besuch am letzten Reisetag auf dem Programm steht. Dorthin sind es von der letzten Bahnstation nur etwa 100 km, was in knapp zwei Eisenbahnstunden zu schaffen wäre. Dennoch werden wir fast die ganze Nacht zum Teil heftig durcheinander gerüttelt und als wir am Morgen das Ziel erreicht haben, ist es nicht, wie im Reiseplan vorgesehen die Stadt Jalgaon, sondern ein ziemlich schmutziges Nest im Nirgendwo. Wieder geht es per Bus fast zwei Stunden über die Dörfer ehe wir Ajanta erreichen, dessen mit einzigartigen Fresken dekorierten Höhlentempel in einer Schlucht auch beim wiederholten Besuch immer wieder faszinieren.

Ajanta-Höhlen
Ajanta-Höhlen

Bei der Rückkehr zum Zug am Nachmittag fehlt die Lust, die Kehrseite Indiens in näheren Augenschein zu nehmen, denn die bietet sich auf der Gegenseite unserer Parkposition. Müllberge, Kehrichthaufen Freiluft-Toiletten, abgewrackte Fahrzeuge. Und immer wieder Plastik-Abfall. Dieses Problem ist zwar deutlich geringer geworden, seit einige indische Staaten die Ausgabe von Plastiktüten mit drastischen Strafen eindämmen. Gerade in abglegenen Gegenden ist diese Botschaft aber wohl noch nicht angekommen.

Ajanta-Höhlen
Ajanta-Höhlen

Aber jetzt ist sowieso Zeit, unser Gepäck zu sortieren, denn morgen früh werden wir wieder in Bombay ankommen. Krishna, unser Schlafwagen-Buttler, überreicht uns zwei nagelneue Kurta-Pajamas aus leichter Baumwolle, die wir am Abend zur Abschieds-Party tragen sollen. Da die leichte Männerkleidung über Hosen mit variabler Bundweite verfügt, die mittels einer Schnur individuell angepasst werden kann, kommen wir gut damit zurecht. Ungleich komplizierter haben es die Damen, die Saris richtig zu drapieren. Die beiden für die Gästebetreuung zuständigen jungen Frauen haben alle Hände voll zu tun, die Damen stilgerecht auszustaffieren.

Schließlich bietet sich im Barwagon ein entsprechend buntes Bild und es ist erstaunlich, dass sich alle Gäste trotz der ungewohnten Kostümierung einigermaßen zwanglos bewegen und die Rhythmen der Bangla-Musik á la Bollywood begeistert mittanzen. Mag sein, dass die alkoholischen Getränke indischer Herkunft das ihre dazu betragen, dass eine gelöste Stimmung herrscht und vielem die während der letzten Woche kaum ein Wort miteinander gewechselt haben, mit einander ins Gespräch kommen. Wir fragen uns, warum eine solche Eisbrecher-Party nicht schon ein am ersten Reisetag eingeplant worden ist. Nicht nur die Stimmung ist gelöst an diesem Abend. Das Band, das meine Hose halten soll, ebenfalls. Auf einmal hängt mir zur Gaudi der Umstehenden auf den Knöcheln Zum Glück reicht der Saum der Kurta bis zu den Kniekehlen, so dass ich nicht komplett im Freien stehe.

8. Tag: zurück in Mumbai

Auch in der letzten Nacht ist der Zug wieder länger auf Achse, als es die Strecke eigentlich erfordern würde, aber tatsächlich läuft der Deccan Odyssey fahrplanmäßig um 8:15 Uhr auf dem Bahnhof in Mumbai ein,  und als wir aussteigen, steht die gesamte Mannschaft – insgesamt knapp 50 Personen, die sich eine Woche lang wirklich aufmerksam um fast ebenso viele Reisende gekümmert haben, Spalier.

Für uns ist das Erlebnis „Deccan Odyssey“ zu Ende, für die dienstbaren Geister, beginnt schon am selben Nachmittag die nächste Tour. So geht es für die Besatzung ohne Pause bis Mai weiter. Und über ganze Zeit teilen sich je vier Angesttellte eine enge Kabine. Ein Knochenjob.

Adithi, die junge Gästebetreuerin, die sich in dieser Woche aufopfernd um uns gekümmert hat, macht ihn schon seit Jahren und versichert, sie könne sich keinen besseren Beruf vorstellen. Ein Traumjob eben.

Fazit: Der Deccan Odyssey ist ein absolutes Luxus-Produkt, das seine Gäste rundum verwöhnt, vor allem auch kulinarisch. Logistisch gibt es allerdings manches zu optimieren, wobei fraglich ist, ob der eng getaktete Fahrplan des riesigen indischen Eisenbahnnetzes überhaupt Freiräume für solche speziellen Reiseprogramme bietet. Aus ökologischer Sicht jedenfalls ist ein solches Produkt jedenfalĺs äusserst bedenklich, denn die Maschine dieselt rund um die Uhr, um Klimaanlage und Warmwasserbeitung mit Strom zu versorgen.

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